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Webdesign-Evolution: Von statischen Seiten zu interaktiven Erlebnissen

EvolutionMeine Kunden wissen, dass ich schon länger "drin" bin. Seit Mitte der 90er beschäftige ich mich mit dem World Wide Web, vorm Rechner hocke ich allerdings schon, seit die Bildschirme vielfach noch schwarz leuchteten. Irgendwann habe auch ich mal vor der Glotze gesessen, habe die ersten Websites bewundert und mich gefragt: "Alles so schön bunt hier! Wie machen die das nur?" Und dann ging's los und ich kann mich noch gut erinnern, dass ich stolz wie Bolle war, als ich das erste funktionierende HTML-Formular "programmiert" und den Inhalt mittels PERL-CGI versendet hatte.

Heute, als selbsternannter "Internet-Guru" ist es für mich immer wieder faszinierend, auch mal auf die verschiedenen Etappen der WWW-Evolution zurückzublicken, aber auch mal in die Glaskugel zu sehen, was da noch kommen mag. Willkommen zu einem spannenden Rückblick auf Webdesign und Webebtwicklung - von den bescheidenen Anfängen bis hin zu den hochinteraktiven Erlebnissen, die heute möglich sind.

Bevor wir jedoch die Details aufbröseln, werfen wir einen kurzen Blick auf die Vorgeschichte des Internets. Es begann eigentlich alles schon mit dem Arpanet, einem Netzwerk, das in den 1960er Jahren von der US-Regierung entwickelt wurde, um militärische Forschungseinrichtungen zu verbinden. Diese primitive Vorläufer des Internets war weit entfernt von den heutigen Möglichkeiten, aber es legte den Grundstein für die digitale Revolution, die knapp 30 Jahre später kommen sollte.

Tim Berners-Lee

Tim Berners-Lee ist eine zentrale Figur in der Geschichte des World Wide Web. Er wurde am 8. Juni 1955 in London, England, geboren. Berners-Lee ist ein britischer Informatiker und Physiker, der maßgeblich an der Entwicklung des WWW beteiligt war.

In den späten 1980er Jahren arbeitete Berners-Lee am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz. Dort entwickelte er eine Vision eines globalen Informationsmanagementsystems, das auf Hypertext basiert. Hypertext ermöglichte es Benutzern, nicht linear durch Informationen zu navigieren, sondern sie auf nicht-lineare Weise zu verknüpfen.

Im März 1989 veröffentlichte Berners-Lee einen Vorschlag für ein "Information Management: A Proposal", der die Grundlagen für das WWW legte. Er schlug die Verwendung von Hypertext und einheitlichen Ressourcenbezeichnern (URLs) vor, um Dokumente im Internet zu identifizieren, sowie die Verwendung des Hypertext Transfer Protocol (HTTP) für den Datenaustausch.

Berners-Lee entwickelte auch die erste Webbrowser- und Server-Software, um sein Konzept zu realisieren. Der erste Webbrowser, genannt "WorldWideWeb" (später umbenannt in "Nexus"), und der erste Webserver wurden 1990 auf einem NeXT-Computer von Berners-Lee erstellt.

Am 6. August 1991 stellte Berners-Lee das WWW-Projekt offiziell der Öffentlichkeit vor und veröffentlichte die erste Website der Welt. Diese Website enthielt Informationen über das WWW-Projekt und Anleitungen zum Erstellen von Webseiten.

Die Erfindung des WWW revolutionierte die Art und Weise, wie Informationen im Internet organisiert und abgerufen werden. Es ermöglichte einen einfachen Zugang zu einer Fülle von Informationen und legte den Grundstein für die moderne Online-Kommunikation, den E-Commerce, soziale Medien und vieles mehr.

Für seine bahnbrechende Arbeit erhielt Tim Berners-Lee zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter den Turing Award, den Millennium Technology Prize und den Queen Elizabeth Prize for Engineering - verbunden mit einem englischen Adelstitel, Berners-Lee darf sich also "Sir" nennen. Der Physiker setzt sich auch weiterhin für die Freiheit und Offenheit des Internets ein und gründete die World Wide Web Foundation, um die Entwicklung des WWW im Sinne aller zu fördern.

Das Web wird öffentlich

In den 1990er Jahren, als das World Wide Web für die breite Öffentlichkeit zugänglich wurde, dominierten statische Webseiten das Geschehen. Diese Seiten waren sehr einfach strukturiert, bestanden meist aus reinem HTML und boten meist nur sehr begrenzte Interaktivität. Grafiken und Farben waren minimal, und das Layout war oft unflexibel. Das Internet war seinerzeit sehr langsam, komplexere Websites hatten Ladezeiten jenseits von gut und böse. Zudem kochten viele Browserhersteller ihr eigenes Süppchen und das Web war geprägt von Inkonsistenzen und Inkompatibilitäten. Dennoch war diese Zeit von einem atemberaubenden Pioniergeist geprägt, in dem die Grenzen des Machbaren ständig herausgefordert wurden.

Dann begannen die Dinge interessanter zu werden. Mit dem Aufkommen von CSS konnten Designer das Aussehen und das Layout ihrer Seiten besser kontrollieren und zentral steuern, was zu größerer Vielfalt und visueller Attraktivität führte. Aber der eigentliche Durchbruch kam mit der Einführung von JavaScript und Flash. Diese Technologien ermöglichten es, Websites interaktiver zu gestalten, Animationen zu realisieren und sogar kleine Spiele auf Browserbasis zu entwickeln. Es war eine aufregende Zeit voller Experimente und Innovationen.

Doch nicht alle Trends erwiesen sich als praktikabel. Flash, obwohl es eine Zeit lang sehr beliebt war, wurde aufgrund seiner Sicherheitsprobleme und seiner Unvereinbarkeit mit mobilen Geräten schließlich weitgehend abgelöst. Ähnlich erging es anderen Technologien, die zu schwerfällig oder ressourcenintensiv waren, um mit den sich ständig weiterentwickelnden Anforderungen des Webs Schritt zu halten.

Browserkrieg

Der "Browserkrieg" zwischen Microsoft und Netscape war ein entscheidendes Kapitel in der Geschichte des Internets. In den späten 1990er Jahren lieferten sich Microsoft mit seinem Internet Explorer und Netscape mit dem Netscape Navigator einen intensiven Wettbewerb um die Vorherrschaft auf dem Browsermarkt.

Die Ursprünge des Browserkrieges lassen sich auf das Jahr 1995 zurückverfolgen, als Microsoft den Internet Explorer 1.0 als Teil seines Windows 95-Betriebssystems einführte. Zu dieser Zeit war der Netscape Navigator der dominierende Webbrowser auf dem Markt. Die Integration des Internet Explorers in Windows 95 und später in Windows 98 gab Microsoft jedoch einen beträchtlichen Vorteil, da der Browser auf Millionen von Computern schlichtweg vorinstalliert war.

Microsoft begann aggressiv, den Internet Explorer zu bewerben und weiterzuentwickeln, und integrierte ihn tiefer in sein Betriebssystem. Gleichzeitig startete Netscape mit neuen Versionen des Netscape Navigator und versuchte, seine Marktposition zu verteidigen.

Der Wettbewerb zwischen den beiden Unternehmen wurde zunehmend hitziger, da sie versuchten, sich gegenseitig mit neuen Funktionen zu übertreffen und Marktanteile zu gewinnen. Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig des unfairen Wettbewerbs und missbräuchlichen Verhaltens, was zu einer Reihe von Gerichtsverfahren führte - insbesondere gegen Microsoft wegen seiner Monopolstellung auf dem Betriebssystemmarkt.

Letztendlich war es dann aber Microsoft, das aus dem Browserkrieg als Sieger hervorging. Der Internet Explorer erlangte eine beherrschende Marktposition und dominierte den Browsermarkt für viele Jahre. Netscape hingegen sah sich mit einem stetigen Rückgang seines Marktanteils konfrontiert und wurde schließlich von AOL übernommen - einer Firma, die inzwischen ebenfalls zur WWW-Resterampe gehört.

Doch der Browserkrieg hatte weitreichende und durchaus positive Auswirkungen auf die Entwicklung des Internets. Er führte zu Innovationen bei der Webbrowser-Technologie und trug zur Popularisierung des Internets bei. Darüber hinaus legte er den Grundstein für die späteren Standards und Best Practices im Bereich der Webentwicklung und des Webdesigns.

Waren es früher der Internet-Explorer, der Netscape Navigator aber auch ein paar andere wie Mosaic und Lynx, gibt es heute wieder eine ganze Anzahl von Tools, mit denen man im Internet unterwegs sein kann: Edge, Chrome, Opera, Firefox, PaleMoon, Vivaldi, Brave, Tor und auch der Safari.Browser der MAC-Plattform soll nicht ungenannt bleiben. Viele von den neuen Browsern basieren allerdings auf derselben Technologie und die kommt - wer hätte es gedacht - von Google. Selbst Microsoft hat seinen eigenen Kram über Bord geschmissen und nutzt die Technik vom Konkurrenten.

Vom Suchen und Finden

In den Neunziger Jahren buhlten jede Menge Suchmaschinen um die Gunst der Besucher. Doch Plattformen wie Lycos, Yahoo, AltaVista, Excite, Fireball, Ask Jeeves waren langsam, unflexibel und in vielen Fällen mit Werbung zugepflastert. Doch dann kam ein spartanisches Tool, welches alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte.

Gegründet im Jahr 1998 von Larry Page und Sergey Brin, begann Google als Suchmaschine, doch das Unternehmen hat sich in kürzester Zeit zu einem vielseitigen Technologiekonzern entwickelt, der eine Vielzahl von Diensten und Produkten anbietet, die das Web in vielerlei Hinsicht prägen.

Die Suchmaschine von Google revolutionierte die Art und Weise, wie Menschen im Internet nach Informationen suchen. Mit seinem Algorithmus, der auf der Bewertung der Relevanz und Qualität von Webseiten basiert, hat Google dazu beigetragen, das Internet zugänglicher und nützlicher zu machen - und dessen Popularität weiter gesteigert. Die Präsenz von Google im Bereich der Suchmaschinen hat auch dazu geführt, dass das Ranking in den Suchergebnissen zu einem entscheidenden Faktor für den Erfolg von Websites wurde, was die Bedeutung von Suchmaschinenoptimierung (SEO) und die Entwicklung von qualitativ hochwertigen Inhalten hervorhob. Aber auch die technische Qualität von Websites ist von Anfang an ein wichtiges Ranking-Merkmal gewesen, Google hat hier einige Male Defacto-Standards gesetzt - so stellt die Mutter alles Suchmaschinen sicher, dass der Nutzer im Mittelpunkt der Suche steht und mit relevanten und hochwertigen Informationen versorgt wird.

Und heute?

Heute befinden wir uns in einem Zeitalter des responsiven Webdesigns und der mobilen Optimierung. Websites passen sich automatisch an verschiedene Bildschirmgrößen und Geräte an, was eine konsistente und benutzerfreundliche Erfahrung gewährleistet. Darüber hinaus gibt es einen starken Trend zu minimalistischem Design und schnelleren Ladezeiten, da Benutzer immer ungeduldiger werden.

Das heutige World Wide Web ist geprägt von einer Vielzahl von Technologien und Trends, die den Umgang mit dem Medium stark vereinfacht haben und das Web zu einem hochdynamischen und interaktiven Medium machen. Der Stand der Dinge lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Responsive Webdesign: Websites passen sich automatisch an verschiedene Bildschirmgrößen und Gerätetypen an, um eine optimale Benutzererfahrung zu gewährleisten, unabhängig davon, ob sie auf einem Desktop-Computer, Tablet oder Smartphone betrachtet werden.
  • Interaktivität: Das Web bietet eine Fülle interaktiver Elemente wie Animationen, Videos, Formulare und Live-Chats, die die Benutzererfahrung verbessern und das Engagement steigern. Weiterentwicklungen und Derivate von Scriptsprachen wie JavaScript (React, Angular, Vue, Node etc.) lassen Funktionen zu, die bisher nur in Desktop-Anwendungen möglich waren. Auch die Cascading Style Sheets sind nun interaktiv und programmierbar geworden, was dazu beiträgt
  • Social Media Integration: Soziale Medien spielen eine wichtige Rolle im modernen Web, und viele Websites integrieren Funktionen wie "Teilen" und "Gefällt mir", um die Interaktion mit Benutzern zu fördern und Inhalte viral zu verbreiten.
  • Dynamische Inhalte: Moderne Websites verwenden oft Content-Management-Systeme (CMS), um dynamische Inhalte zu erstellen und zu verwalten, die auch von technischen Laien regelmäßig aktualisiert werden können.
  • Sicherheit: Mit zunehmenden Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit im Internet haben Sicherheitsmaßnahmen wie SSL-Verschlüsselung (HTTPS) und Web Application Firewalls (WAFs) an Bedeutung gewonnen, um Benutzerdaten vor Cyberangriffen zu schützen.

In den letzten Jahren wurden vielerlei Technologien entwickelt oder weiterentwickelt, die sich durchaus als "en vogue" einstufen lassen und das Web weiter prägen werden:

HTML5 und CSS3: Diese Technologien bilden das Grundgerüst für die meisten modernen Websites und ermöglichen es, interaktive Inhalte und ansprechende Designs zu erstellen.

JavaScript-Frameworks: Beliebte JavaScript-Frameworks wie React, Angular und Vue.js werden häufig verwendet, um dynamische Benutzeroberflächen zu erstellen und die Entwicklung von Single-Page-Anwendungen zu erleichtern.

Progressive Web Apps (PWAs): PWAs kombinieren das Beste aus Web und nativen Apps und bieten eine schnell ladende, zuverlässige Benutzererfahrung, die auch offline verfügbar ist.

APIs und Microservices: Durch die Verwendung von APIs und Microservices können Entwickler komplexe Anwendungen erstellen, die nahtlos mit anderen Systemen integriert werden können.

Voice Search und KI-basierte Technologien: Mit der zunehmenden Verbreitung von sprachgesteuerten Assistenten und KI-Technologien gewinnt Voice Search an Bedeutung, was dazu führt, dass Websites ihre Inhalte für sprachgesteuerte Abfragen optimieren.

Menschheitstraum

Laut Statistiken von Januar 2022 nutzen mehr als 4,9 Milliarden Menschen weltweit das Internet, was etwa 62,5% der Weltbevölkerung entspricht. Diese Zahl nimmt weiter zu, da die Zugänglichkeit des Internets und die Verbreitung von Internetverbindungen auf der ganzen Welt zunehmen. Das Internet ist zu einem integralen Bestandteil des täglichen Lebens geworden und beeinflusst nahezu alle Aspekte unserer Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur.

Ein Blick in die Glaskugel

Aber was bringt die Zukunft? Es ist schwer zu sagen, aber einige Trends zeichnen sich bereits ab. Die Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) könnten bald eine größere Rolle im Webdesign spielen, wodurch immersive und beeindruckende Erlebnisse geschaffen werden. Künstliche Intelligenz (KI) könnte auch dazu beitragen, personalisierte Benutzererfahrungen zu schaffen, die sich dynamisch an die Bedürfnisse und Vorlieben jedes einzelnen anpassen.

Von einfachen Anfängen zu komplexen, hochgradig interaktiven Erlebnissen - die letzten 30 Jahre Webentwicklung waren sehr aufregend und sind wie im Fluge vergangen. Und zur Zukunft des World Wide Webs lässt sich mit Sicherheit nur soviel sagen: halten Sie die Augen offen und lassen Sie sich von den kommenden Innovationen überraschen!

14.02.2024

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