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FRITZ!OS 8.50: Die FRITZ!Box wird zum Werbeblocker

Fritz! OS 8.50Jahrelang ging „Werbung im ganzen Heimnetz blocken“ etwa so: Raspberry Pi bestellen, Pi-hole installieren, DNS umbiegen und anschließend drei Abende lang herausfinden, warum der Smart-TV plötzlich keine Updates mehr zieht. Für Tech-Amateure ohnehin Bahnhof. Aber genau die können jetzt aufatmen: Mit FRITZ!OS 8.50 übernimmt das jetzt die Kiste, die sowieso schon im Flur vor sich hin blinkt. Zumindest bei manchen. Und zumindest teilweise.

Seit dem 29. September 2026 verteilt FRITZ! (vielen noch als AVM im Gedächtnis) das große Firmware-Update FRITZ!OS 8.50. Den Anfang macht die FRITZ!Box 7690, das DSL-Flaggschiff mit Wi-Fi 7. Weitere „aktuelle“ FRITZ!Box- und Repeater-Modelle sollen in den kommenden Wochen folgen. Welche genau, verrät der Hersteller wie üblich nicht. Wer ein anderes Modell betreibt, darf also weiter regelmäßig auf „Neue Version suchen“ klicken und so tun, als sei das ein Hobby.

Was der DNS-Filter tatsächlich macht

Das Herzstück des Updates ist ein DNS-Filter. Das Prinzip ist simpel und deshalb so wirksam: Bevor ein Gerät eine Werbegrafik von ads.irgendwas.example laden kann, muss es erst einmal fragen, unter welcher IP-Adresse dieser Server zu finden ist. Diese Frage landet bei der FRITZ!Box. Steht die Domain auf einer Sperrliste, bekommt das Gerät keine brauchbare Antwort, und der Banner bleibt dort, wo er hingehört: im Nichts.

Die Box liest dafür gängige Filterlisten ein, auch öffentlich verfügbare. Damit lassen sich nicht nur Werbung und Tracker aussperren, sondern auch bekannte Malware-, Phishing- und Botnetz-Domains. Und weil das zentral im Router passiert, profitiert alles, was im WLAN oder per LAN-Kabel hängt: Smartphone, Laptop, Smart-TV, Konsole, das Kinder-Tablet und der Kühlschrank, der aus unerfindlichen Gründen eine Internetverbindung braucht.

Ein Haken steckt allerdings schon in der Ankündigung: Das Update selbst kommt für alle aktuellen Modelle, der DNS-Filter soll aber nur schrittweise auf „ausgewählte“ Modelle wandern. Wer also FRITZ!OS 8.50 auf der Box hat, hat damit nicht automatisch den Werbeblocker. Das klassisches Kleingedruckte eben.

Und was er nicht kann

Bevor jetzt jemand die uBlock-Origin-Erweiterung deinstalliert: Ein DNS-Filter ist kein vollwertiger Adblocker. Er hat ein paar systembedingte Grenzen, die man kennen sollte.

  • Nur fremde Domains. Blockiert wird Werbung, die von einem externen Server kommt. Das trifft auf viele klassische Banner zu. Liefert eine Plattform Werbung aber von derselben Domain aus wie den eigentlichen Inhalt, schaut der DNS-Filter machtlos zu. Wer also auf ein werbefreies YouTube gehofft hatte: nein.
  • Keine Kosmetik. Der Banner lädt nicht, der Platz dafür bleibt trotzdem. Je nach Website gibt es also leere Kästen und Löcher im Layout.
  • Umgehung ist eingebaut. Browser mit aktiviertem DNS over HTTPS oder Apps mit fest eingetragenem DNS-Server fragen die FRITZ!Box gar nicht erst. Für die existiert der Filter schlicht nicht.
  • Übereifer rächt sich. Je aggressiver die Liste, desto größer die Chance, dass Dinge kaputtgehen, die gar nichts mit Werbung zu tun haben: Weiterleitungen im Bezahlprozess, Links in Newslettern (die laufen gern über Tracking-Domains), Login-Dienste. Wer das ganze Büro mit der „Alles-und-noch-mehr“-Liste beglückt, hat am Montag eine sehr lange Ticketliste.

FRITZ!Box, Pi-hole oder Browser-Adblocker?

Kriterium FRITZ!Box-DNS-Filter Pi-hole Browser-Adblocker (z. B. uBlock Origin)
Wirkt auf alle Geräte im Heimnetz alle Geräte, die ihn als DNS nutzen nur den jeweiligen Browser
Zusätzliche Hardware nein ja (Raspberry Pi, VM oder Container) nein
Einrichtung in der Weboberfläche der Box Installation plus DNS-Umstellung Erweiterung installieren
Smart-TV, Konsole, Apps ja ja nein
Werbung von der Inhalts-Domain selbst nein nein teilweise
Leere Werbeflächen ausblenden nein nein ja
Unterwegs im Mobilfunk nur per VPN ins Heimnetz nur per VPN ins Heimnetz ja, im Browser

Unterm Strich: Die FRITZ!Box ersetzt keinen Browser-Adblocker, sie ergänzt ihn. Und für alle, die bisher einen Pi-hole betreiben, nur um den Smart-TV ruhigzustellen, könnte das Bastelprojekt bald in Rente gehen. Wer dagegen Statistiken, Gruppen und fein justierte Regeln liebt, wird seinen Pi-hole wohl nicht so schnell vom Strom nehmen.

Was sonst noch im Update steckt

Der Werbeblocker bekommt die Schlagzeilen, FRITZ!OS 8.50 bringt aber noch einiges mehr mit:

  • Automatische Priorisierung: Die Box erkennt Echtzeit-Anwendungen wie Videokonferenzen oder Online-Spiele und bevorzugt deren Datenverkehr, ohne dass man etwas konfigurieren muss. Welche Priorisierung gerade aktiv war, lässt sich in der Oberfläche bis zu 24 Stunden lang nachvollziehen. Gut für alle, deren Teams-Call bisher einbrach, sobald im Nebenzimmer jemand ein 80-GB-Spiel herunterlud.
  • Smart Check: Die MyFRITZ!App bekommt eine Übersicht, die den Zustand von Internet, WLAN, Telefonie, Heimnetz und Sicherheit zusammenfasst und konkrete Hinweise gibt, etwa wenn ein Repeater die Mesh-Verbindung verloren hat.
  • Failsafe für 4G- und 5G-Modelle: Der Ausfallschutz wird erweitert. Mobilfunk-Boxen können ihren Internetzugang künftig auch über den LAN-Anschluss beziehen, etwa über ein vorgeschaltetes Glasfasermodem, und fallen bei Störungen auf Mobilfunk zurück.
  • Smart Home: Neue Automatisierungen, unter anderem mit Geofencing.
  • Telefonie: Das FRITZ!Fon bekommt einen „Einfachen Modus“ mit abgespecktem Menü, dazu kommt eine SOS-Notruf-Funktion.

Unsere Einschätzung für Büro und Homeoffice

Für kleine Büros und Homeoffices, die ohnehin mit einer FRITZ!Box arbeiten, ist der DNS-Filter ein echter Gewinn, vor allem wegen der Malware- und Phishing-Listen. Eine zusätzliche Schutzschicht, die nichts kostet und keine Wartung von Einzelgeräten braucht, nimmt man gern mit. Sie ist aber genau das: eine zusätzliche Schicht. Updates, Virenschutz auf den Endgeräten, Zwei-Faktor-Authentifizierung und ein gesundes Misstrauen gegenüber Mails von „DHL“ ersetzt sie nicht.

Unsere Empfehlung: Vor dem Update die Einstellungen der Box sichern. Mit einer moderaten Filterliste starten, nicht gleich mit der härtesten. Danach die geschäftskritischen Werkzeuge einmal durchklicken: Onlinebanking, Bezahldienste, CRM, Videokonferenz, Newsletter-Links. Und jeder im Büro sollte wissen, wo man den Filter im Zweifel wieder abschaltet.

Ein Hinweis noch an alle, die selbst Websites betreiben oder betreuen: Wenn Ihr Analytics-Dashboard demnächst weniger Besucher zeigt oder der Tag Manager im Test plötzlich gar nichts mehr meldet, liegt das nicht zwingend an der Agentur. Manchmal sitzt der Übeltäter einfach im eigenen Flur und blinkt.

So kommt das Update auf die Box

Wer die automatische Update-Funktion aktiviert hat, muss nichts tun, die neue Version kommt von selbst, sobald sie für das eigene Modell freigegeben ist. Alle anderen öffnen im Browser fritz.box oder 192.168.178.1 und stoßen das Update in der Weboberfläche manuell an. Danach heißt es: einmal kurz ohne Internet leben. Es soll Menschen geben, die das überstanden haben.

04.10.2026

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