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Firefox 157: Der Kompaktmodus kommt wieder aus der Abstellkammer

Firefox 157: Nova-Design & KompaktmodusBrowser auf, Kaffee in der Hand - und plötzlich ist alles rund. Die Tabs, die Adressleiste, die Menüs. Seit dem 29. September verteilt Mozilla Firefox 157 und zieht dem Browser das größte neue Kleid seit 2021 an. Die eigentliche Schlagzeile steckt aber in einem unscheinbaren Schalter: Der Kompaktmodus ist zurück. Fünf Jahre lang hat Mozilla ihn in der Abstellkammer versteckt.

Intern hieß das Projekt „Nova“. Mozilla erklärt den Namen selbst: Eine Nova sieht aus wie ein neuer Stern, entsteht aber aus vorhandener Materie. Erneuerung statt Ersatz, so die offizielle Lesart. Seit dem Frühsommer lief das Design in der Testversion Nightly, jetzt bekommen es alle, auf Windows ebenso wie auf macOS, Linux und Android. Einen Opt-in gibt es nicht. Wer updatet, bekommt Nova.

Fünf Jahre Exil in about:config

Warum führt ausgerechnet ein Dichte-Schalter die Berichterstattung an? Dafür muss man zurück in den Juni 2021. Damals brachte Firefox 89 das Proton-Design. Mozilla räumte auf, rundete ab, vergrößerte Abstände – und warf die Option „Kompakt“ aus dem Anpassen-Dialog. Offiziell nicht mehr unterstützt.

Funktioniert hat der Modus trotzdem. Man musste ihn nur finden: about:config aufrufen, die Warnung wegklicken, browser.compactmode.show auf true setzen. Ein Handgriff für Nerds, eine unsichtbare Tür für alle anderen. Fünf Jahre lang tauchte genau dieser Tipp so ziemlich in jedem zweiten Firefox-Forum auf.

Jetzt baut Mozilla die Tür wieder ein. Im eigenen Blog klingt das fast ein bisschen zerknirscht: Die Leute hätten den Modus vermisst, man habe zugehört (das klingt fast schon wie zerknitterter Politiker-Sprech nach einem Wahlabend). Der Kompaktmodus schrumpft die Abstände in Tab- und Symbolleiste und lässt mehr Platz für Webinhalte. Das hilft auf kleinen Notebook-Displays enorm, vor allem auch bei geteilter Ansicht, wenn zwei Seiten nebeneinander liegen. Neu hingegen ist eine Automatik, aufgemerkt: Auf kleinen Bildschirmen schaltet Firefox selbst in die kompakte Darstellung!

Insgesamt gibt es drei Dichtestufen. „Kompakt“ für Platzfanatiker, „Standard“ für die meisten Bildschirme und „Touch“ mit größeren Klickflächen für Tablets und Touch-Notebooks.

Rund, warm, lila: So sieht Nova aus

Wer Firefox 157 zum ersten Mal startet, sieht vor allem Rundungen. Tabs haben eine weichere Form, der aktive Tab bekommt einen dezenten Farbverlauf. Menüs, Panels und Einstellungen folgen derselben Formensprache. Mozilla hat die Icons überarbeitet und die Abstände in der gesamten Oberfläche neu verteilt.

Die Farbpalette orientiert sich laut Mozilla am Feuer: ein Glühen rund um den aktiven Tab, dazu rauchige Lilatöne. Ein neuer Theme-Picker bietet zwölf Themes, jeweils in heller und dunkler Variante, plus Hintergrundbilder. Auf der Neuer-Tab-Seite lassen sich Verknüpfungen anpinnen und sortieren.

Ein Detail, das man leicht übersieht: Dialoge, Farb- und Datumswähler sowie die Autovervollständigung in Formularen richten sich jetzt nach dem hellen oder dunklen Farbschema der jeweiligen Website. Dazu gleich mehr.

Mozilla verspricht außerdem, dass das neue Design keine Leistung kostet. Belastbare unabhängige Messungen dazu gibt es bislang jedoch nicht. Inhaltlich rückt Mozilla Datenschutz-Funktionen nach vorn: das integrierte VPN und der private Modus sind leichter erreichbar. In den überarbeiteten Einstellungen lassen sich KI-Funktionen komplett abschalten.

Begeisterung herrscht trotzdem nicht überall. In den Kommentarspalten der Tech-Blogs geht es hoch her. Die einen finden die runden Tabs zu verspielt, die anderen den lila Grundton schlicht unprofessionell für ein Arbeitswerkzeug. Das hat bei Firefox Tradition. Kaum eine Nutzerschaft schätzt Kontrolle über die Oberfläche so sehr – und reagiert so allergisch, wenn jemand ihre Tabs anfasst.

Die neue Seitenleiste – mit Verfallsdatum für Nostalgiker

Die überarbeitete Seitenleiste ist ab Version 157 für alle aktiv. Vertikale Tabs sind fester Bestandteil davon, der Umschalter für die Panels sitzt oben. Die Option „Seitenleiste anzeigen“ hat Mozilla aus den Einstellungen gestrichen.

Wer die alte Seitenleiste zurückwill, kann das noch: In about:config den Eintrag sidebar.revamp auf false setzen. Der Haken: Damit verschwinden auch die vertikalen Tabs. Und die Hintertür hat ein Ablaufdatum. Mozilla hält sie bis Ende 2027 offen.

Notausgänge für Nova-Verweigerer

Mozilla kennt seine Nutzer und hat für den Umstieg gleich mehrere Fluchtwege eingebaut. Hier der Überblick:

Wunsch So geht's Haltbarkeit
Kompaktmodus einschalten Regulär über die Einstellungen bzw. den Anpassen-Dialog Offizielle Funktion
Alter Proton-Look Theme „Firefox Proton“ im Add-ons-Manager Von Mozilla selbst angeboten
Alte Seitenleiste about:config ? sidebar.revamp = false (deaktiviert auch vertikale Tabs) Bis Ende 2027
Nova komplett abschalten about:config ? browser.nova.enabled = false Funktioniert laut Nutzerberichten aktuell noch – keine Dauerlösung

Unser Rat: Gebt Nova eine Woche. Wer dann immer noch fremdelt, greift zum Proton-Theme. Versteckte Schalter, die Mozilla nicht offiziell bewirbt, sind erfahrungsgemäß die ersten, die bei einem Update stillschweigend verschwinden.

Amazon fliegt raus, AV1 zieht ein

Unter der neuen Haube steckt mehr als Kosmetik. Die wichtigsten Änderungen im Schnelldurchlauf:

  • Amazon ist raus: Firefox 157 führt Amazon nicht mehr als eingebaute Suchmaschine. Wer sie braucht, legt sie in den Sucheinstellungen manuell an.
  • Videocalls mit Hardware-Power: WebRTC-Anrufe dekodieren AV1-Video jetzt per Hardware, sofern das Gerät das kann. Bisher erledigte das immer die CPU.
  • Video-Ärgernisse behoben: Einige 8-Bit-HDR-Videos sahen unter Windows grau und flau aus, die Taskleiste blieb über Vollbildvideos stehen, und Handy-Kameras landeten in Calls schon mal auf dem Kopf. Alles gefixt.
  • Firefox Suggest expandiert: Die Vorschläge in der Adressleiste starten in 16 weiteren europäischen Ländern, darunter Österreich und die Schweiz.
  • Kleine Komfortgewinne: In einem neuen Tab springt die Tab-Taste direkt ins Suchfeld. Und die Adressleiste öffnet jetzt den ausgewählten Vorschlag, auch wenn noch eine Seite lädt – statt stur nach dem getippten Text zu suchen.
  • Sicherheit: Mozilla schließt Dutzende Sicherheitslücken, viele davon als hochriskant eingestuft. Allein das ist Grund genug für ein zügiges Update.

Was Webentwickler jetzt testen sollten

Für Endnutzer ist Firefox 157 ein Design-Update. Für alle, die Websites bauen, steckt mehr drin.

Dark Mode in Formularen prüfen. Native Datumswähler, Farbwähler und Autovervollständigungs-Menüs übernehmen jetzt das Farbschema der Seite. Wer seine Website im Dark Mode ausliefert, aber die CSS-Eigenschaft color-scheme nicht sauber deklariert, riskiert Formular-Elemente, die optisch aus der Reihe tanzen. Ein kurzer Blick auf Kontaktformulare und Buchungsmasken lohnt sich daher.

Die neue TLS-Warnung ist kein Bug. Firefox warnt jetzt im Seiteninfo-Panel und in den Einstellungen, wenn er so konfiguriert ist, dass er seine Verschlüsselungsschlüssel mitschreibt. Gemeint ist die Umgebungsvariable SSLKEYLOGFILE. Für normale Nutzer ist das ein sinnvoller Schutz, denn so könnte andere Software auf dem Rechner verschlüsselten Traffic mitlesen. Wer beim Debuggen mit Wireshark arbeitet, sieht die Warnung ab sofort bei jeder Session. Das ist Absicht.

Neues CSS-Spielzeug. Mit @supports at-rule(@scope) lässt sich jetzt prüfen, ob der Browser eine bestimmte At-Regel kennt. Und overscroll-behavior versteht den Wert chain: Scrollen darf an den nächsten scrollbaren Bereich weitergereicht werden, den „Bounce“-Effekt am Rand unterdrückt der Browser aber. Dazu kommt bei WebGPU der Textur-Typ TRANSIENT_ATTACHMENT für speichersparende Render-Passes.

Theme-Entwickler aufgepasst. Einige Theme-Eigenschaften verhalten sich unter Nova anders. ntp_text etwa stylt das Suchfeld auf der Neuer-Tab-Seite nicht mehr. Mozilla hat die Dokumentation auf der Extension Workshop aktualisiert.

Und ganz banal: Wer Anleitungen, Schulungsunterlagen oder Kundendokumentationen mit Firefox-Screenshots pflegt, hat ab heute ein kleines Aufräumprojekt.

Alle zwei Wochen ein neuer Fuchs

Viel Zeit zum Gewöhnen bleibt nicht. Firefox erscheint inzwischen im Zwei-Wochen-Takt. Version 158 steht schon für den 13. Oktober im Kalender und soll unter anderem einen Fehler beim Aufklappen der Seitenleiste per Mauszeiger beheben. Mozilla kündigt an, weiter an Nova zu feilen – und will künftig sogar die Form von Tabs und Bedienelementen anpassbar machen.

Bleibt eine hübsche Ironie. Mozilla poliert monatelang am größten Redesign seit fünf Jahren, liefert zwölf Themes, Farbverläufe und rauchiges Lila. Und der meistbejubelte Punkt der Release-Woche ist ein Schalter, der das alles ein bisschen kleiner macht. Mozilla hat die passende Erklärung übrigens selbst geliefert, im Blogpost zu Nova: Ein guter Browser sei so selbstverständlich, dass man vergisst, ihn zu benutzen. Der Kompaktmodus ist die ehrlichste Umsetzung dieses Satzes.

Bild von Mozilla Corporation - https://phabricator.services.mozilla.com/D41016, MPL 2, Link

02.10.2026

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