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Zwei Links, dann wird zur Kasse gebeten: Facebook macht das Verlinken zum Abo

Eine Torte von HerzenDer Blogpost ist fertig, der Facebook-Text schnell getippt, der Link eingefügt. Dann poppt ein Fenster auf: Diese Seite darf im Monat nur zwei Beiträge mit Link veröffentlichen. Wer mehr will, soll zahlen. So oder ähnlich berichten es Seitenbetreiber seit dieser Woche.

Ausgerechnet das Netzwerk, das groß wurde, weil Menschen dort Artikel, Shops und Videos verlinken, stellt den Link jetzt unter Kostenvorbehalt. Noch nicht überall, noch nicht für alle, aber die Richtung ist klar. Wir haben nachgelesen: Was ist belegt, was sagt Meta, und was weiß bisher niemand?

Wie aus einem Test ein Preisschild wurde

Los ging es schon Mitte Dezember 2025. Meta schrieb ausgewählte Facebook-Seiten und Profile im Professional Mode an: Ab dem 16. Dezember dürfen sie in nur zwei organischen Beiträgen pro Monat Links teilen, es sei denn, sie buchen Meta Verified. Gegenüber dem IT-Magazin TechCrunch bestätigte Meta den Test und nannte ihn begrenzt. Er solle klären, ob mehr Link-Beiträge für zahlende Abonnenten einen Mehrwert bringen. Ausgenommen waren damals Links in Kommentaren, Links auf Metas eigene Plattformen (Instagram, WhatsApp, andere Facebook-Beiträge), Affiliate-Links und Publisher-Seiten. Ungenutzte Kontingente verfallen am Monatsende.

Dann kam der September 2026. Am 15. September startete Meta „Meta One for Business“, ein Abo-Bündel für Unternehmen und Creator. Zwei Tage später meldete Social Media Today, dass mehr Facebook-Seiten das Pop-up sehen: zwei Link-Beiträge pro Monat, mehr nur mit Meta-One-Abo. Meta selbst nennt Links in Facebook-Beiträgen inzwischen in seinem deutschen Hilfebereich als Vorteil der höheren Tarife. Aus dem Experiment wächst gerade ein Produkt.

Was ein Link jetzt kostet

Die Preise stammen aus deutschen Berichten (connect, teltarif) und dem Meta-Hilfebereich. Die Kontingente für Facebook-Beiträge mit Link:

Tarif Preis pro Monat (ab) Facebook-Beiträge mit Link pro Monat
Ohne Abo (betroffene Seiten) 0 € 2
Meta One Advanced 54,99 € 8
Meta One Expert 169 € 20
Meta One Max 549 € laut Berichten unbegrenzt

Zum Einstiegstarif Essential (ab 16,99 €) nennen die Quellen, die wir gefunden haben, kein Link-Kontingent. Meta weist außerdem darauf hin, dass Preise, Leistungen und Verfügbarkeit je nach Region, App und Konto abweichen können. Und: Links in Facebook-Beiträgen gibt es laut Hilfebereich derzeit nur für Unternehmen.

Nun die Rechnerei. Im Advanced-Tarif kostet ein Link-Beitrag rund 6,87 Euro, im Expert-Tarif etwa 8,45 Euro, jeweils bei voller Ausschöpfung. Fair ist: Die Tarife enthalten mehr als Links, etwa Analysen, Planungstools und ein Verifizierungsabzeichen. Trotzdem bleibt der Eindruck hängen, den der Social-Media-Beobachter Matt Navarra gegenüber der BBC so beschrieb: Es gehe weniger um Verifizierung als darum, Grundfunktionen hinter ein Abo zu stellen.

Meta sagt: Klickt ja sowieso kaum jemand

Metas Argument liegt in den eigenen Zahlen. Laut dem Widely Viewed Content Report für das erste Quartal 2026 enthielten in den USA nur noch rund 1,3 Prozent der angezeigten Beiträge einen Link nach außen. 2022 waren es noch 9,8 Prozent. Wenn Links ohnehin kaum Reichweite bekommen, so die Logik, tut ein Limit wenig weh.

Nun gut, unsere Beobachtung fällt weniger freundlich aus. Facebook hat Links jahrelang im Feed nach hinten sortiert. Nun verkauft das Netzwerk das, was es zuvor entwertet hat. Auffällig ist auch, wie das Limit wirkt: Laut Social Media Examiner sperrt Facebook den Beitrag nicht unbedingt, er bekommt womöglich einfach keine Reichweite. Reichweite ist der Hebel, den Meta ohnehin kontrolliert.

Ins Bild passt Mark Zuckerbergs Drei-Stufen-Plan von 2016: erst ein Produkt bauen, das Menschen lieben, dann das Geschäftsleben dort kostenlos zulassen, schließlich gegen Geld zusätzliche Wege anbieten. Stufe drei läuft. Social Media Today schätzt anhand von Metas Quartalszahlen, dass rund 35 Millionen Nutzer die Abos gebucht haben und dass daraus etwa 2 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz entstehen. Detaillierte offizielle Zahlen gibt Meta natürlich nicht heraus.

Was bisher niemand sicher weiß

Erstens: Es bleibt ein Test. Meta hat die Änderung nicht offiziell für alle angekündigt, und nicht jede Seite sieht das Pop-up. Als die Marketingexpertin Mari Smith den Test dokumentierte, gab es keine Meldung aus Metas Newsroom zu einem weltweiten Rollout.

Zweitens: Publisher. Meta nimmt Publisher-Seiten laut eigener Aussage bislang aus. Eine öffentlich nachlesbare Abgrenzung, wer als Publisher zählt, haben wir nicht gefunden. Ob eine Agentur-Seite mit Blogbeiträgen darunterfällt, ist damit offen - allerdings hat es uns erwischt.

Drittens: die Kommentare. Der Link im ersten Kommentar galt beim Start des Tests als erlaubte Ausnahme. Das Gaming-Magazin PSINFO berichtet dagegen, dass dieser Weg auf der eigenen Seite in der App nicht mehr klappt, während am Desktop zeitweise noch ein Link im Beitrag ging. Das ist eine einzelne Beobachtung, aber sie zeigt, wie uneinheitlich die Lage gerade aussieht. Auch davon sind wir betroffen, wir müssen uns also andere Wege suchen.

Plan B für Seitenbetreiber, die nicht zahlen wollen

  1. Die zwei Freilinks verplanen. Sie verfallen am Monatsende. Also für die Beiträge nutzen, die wirklich Besucher auf die eigene Seite bringen sollen.
  2. Native Inhalte bauen. Text, Bild oder Reel mit dem Kern der Geschichte, ohne Link. Auch Mari Smith rät, stärker auf Formate zu setzen, die Facebook selbst bevorzugt.
  3. Den Kommentar-Link testen. Ob er auf der eigenen Seite klickbar bleibt, hängt offenbar von Konto und Gerät ab. Ausprobieren kostet nichts.
  4. Eigene Kanäle stärken. Newsletter, RSS-Feed und andere Netzwerke gehören dem Absender oder verlangen keine Link-Gebühr. Wer dort Leser bindet, muss sich nicht bei Meta freikaufen.
  5. Nachrechnen. Wer im Monat zwei Links braucht, zahlt nichts. Wer acht braucht, stellt 54,99 Euro dagegen und fragt, was ein Besucher wert ist.

Türsteher mit Kasse

Zur Fairness gehört: Meta darf Geld verdienen, und Tools wie Analysen oder Planung darf das Unternehmen gern bepreisen. Der Link ist etwas anderes. Er ist die Tür, durch die Leser von Facebook zu einer anderen Seite gehen.

Das Web hat den Link erfunden, damit man von einem Ort zum nächsten kommt. Meta verlangt jetzt Eintritt für den Ausgang. Es würde mich nicht wundern, wenn Mark Zuckerberg wie weiland Bill Gates auch mal eine Torte ins Gesicht bekommt.

Quellen: TechCrunch, Social Media Today: Facebook Pages get charged for link posts, Social Media Today: Meta One for Business, Inc, connect, teltarif, gadgetChecks, Meta-Hilfebereich, PSINFO, Social Media Examiner, Mari Smith.

Foto: KI

21.09.2026

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