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Wero wird zwei Jahre - Europas PayPal-Antwort ist aber immer noch ein Geheimtipp
Dieses Jubiläum wird wohl im eher kleinen Kreis gefeiert. Zwei Jahre nach dem Marktstart von Wero gibt es eine vom Meinungsforschungsinstitut Innofact durchgeführte, repräsentative Verivox-Umfrage unter gut tausend Erwachsenen. Aus der lässt sich herauslesen, dass gerade einmal 39 Prozent der Deutschen Wero überhaupt korrekt als Zahlungsdienst einordnen können. Der Rest hat entweder noch nie davon gehört, kennt bestenfalls den Namen - oder hält Wero für eine Wechselstuben-App, eine Geldanlage oder, mein persönlicher Favorit, eine Debitkarte aus Holz. Nach zwei Jahren Werbekampagnen von Sparkassen, Deutscher Bank, Postbank, Volksbanken und ING ist das irgendwie kein Ruhmesblatt.
Bekanntheitsgrad und Nutzung
Von den 39 Prozent, die wissen, worum es geht, hat laut Studie fast zwei Drittel den Dienst noch nie ausprobiert. Nur 14 Prozent aller Befragten haben ihr Girokonto überhaupt für Wero freigeschaltet, aktiv genutzt haben es gerade einmal 7 Prozent. Bekanntheit und Nutzung klaffen also weit auseinander - und selbst bei denen, die Bescheid wissen, überwiegt die Skepsis. 58 Prozent der Befragten insgesamt bezweifeln, dass sich Wero langfristig als Europas führender Bezahldienst durchsetzt. Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier bringt das Problem auf einen Punkt, der eigentlich jedem Zahlungsdienstleister aus dem Lehrbuch bekannt sein sollte: echten Mehrwert bietet ein Bezahlsystem erst, wenn man es so gut wie überall nutzen kann, online wie an der Ladenkasse. Und genau daran hapert es bei Wero bislang.
Immerhin, ein kleiner Trost für die EPI: Im Vorjahr lag die Bekanntheit noch bei 30 Prozent. Der Trend zeigt also nach oben, nur eben in einem Tempo, bei dem man sich fragt, ob der digitale Euro 2029 nicht schneller kommt als die kritische Masse an Wero-Nutzern.
9 Millionen gegen 35 Millionen
Die nackten Zahlen sprechen für sich. Die European Payments Initiative meldet für Deutschland rund neun Millionen registrierte Wero-Nutzer, europaweit - vor allem in Belgien, Frankreich und Deutschland - sind es 57 Millionen. Klingt erstmal nach viel, bis man daneben stellt, was PayPal allein hierzulande vorweisen kann: 35 Millionen aktive Konten. Wero hat also nach zwei Jahren gerade einmal ein Viertel dessen erreicht, was der US-Platzhirsch längst hat. Und Registrierung heißt bei Wero nicht automatisch Nutzung, wie die 14-Prozent-Aktivierungsquote aus der Verivox-Studie zeigt. Wer nüchtern rechnet, landet schnell bei der Frage, wie viele der neun Millionen registrierten Konten überhaupt jemals eine Transaktion gesehen haben.
Amazon, Lidl und ein hübsches Missverständnis
Die Meldung "Amazon führt Wero ein" machte Anfang August die Runde - und sorgte für einige verfrühte Euphorie in der Payment-Szene. Ein Blick auf die technischen Details bremst die Begeisterung allerdings deutlich: Amazon hat bislang lediglich die Bezeichnung seiner bestehenden iDEAL-Zahlungsoption in "iDEAL | Wero" geändert. Dahinter steckt weiterhin das niederländische iDEAL-Verfahren, das ein niederländisches Bankkonto voraussetzt - für deutsche Kunden ändert sich also erstmal gar nichts. Die vollständige Migration auf echte Wero-Infrastruktur soll laut Amazon bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Bis dahin ist die neue Beschriftung im Checkout vor allem eines: ein Sichtbarkeits-Coup für die EPI, also mehr Marketing als Funktionalität.
Ehrlicher ist da schon Lidl. Der Discounter hat Wero am 24. Juli 2026 als erster deutscher Lebensmittelhändler tatsächlich in seinen Onlineshop integriert - nicht als Umbenennung, sondern als vollwertige, funktionierende Zahlungsoption. Auch Decathlon, Eventim und Flixbus haben Wero bereits eingebunden, Check24 testet gerade. Für Händler, die auf europäische Zahlungsinfrastruktur setzen wollen, ohne sich technisch an Amazons Migrationsfahrplan zu hängen, ist das die interessantere Referenz.
Shopbetreiber: Abwarten oder Tee trinken?
Wer aktuell über Checkout-Optionen für seinen Onlineshop nachdenkt, sollte sich von den Wero-Schlagzeilen nicht zu Schnellschüssen verleiten lassen. Die Reichweite ist schlicht noch nicht da: Bei einer Bekanntheit von 39 Prozent und einer aktiven Nutzung im einstelligen Prozentbereich ist Wero derzeit eher ein Zusatzangebot für zukunftsorientierte Shops als ein Ersatz für etablierte Zahlarten. Gleichzeitig lohnt sich die Beobachtung, denn die Richtung ist eindeutig vorgegeben: Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Deutsche Bank pushen den Dienst weiter, große Handelsnamen ziehen nach, und mit der geplanten Kooperation zwischen EPI und EuroPA - die perspektivisch bis zu 380 Millionen Nutzer in 15 Ländern vernetzen soll - sowie dem für 2029 angekündigten digitalen Euro entsteht gerade ein größeres europäisches Zahlungsökosystem, dessen erste Bausteine schon heute integriert werden können.
Für unsere Kunden aus dem E-Commerce-Bereich heißt das konkret: Wero technisch vorzubereiten, ist sinnvoll und mit überschaubarem Aufwand machbar, sobald die eigene Bank die entsprechenden Schnittstellen anbietet. Als alleinige oder gar bevorzugte Zahlungsmethode auszuspielen, wäre bei aktueller Datenlage aber verfrüht - PayPal, Kreditkarte und Rechnungskauf bleiben vorerst die tragenden Säulen im deutschen Checkout.
Ein Marathon, kein Sprint
Wero ist kein gescheitertes Projekt, aber auch noch lange kein Selbstläufer. Die Bekanntheit steigt langsam, die Skepsis bleibt hoch, und die spektakulärsten Schlagzeilen - siehe Amazon - entpuppen sich bei genauerem Hinsehen oft als kleiner als gedacht. Was zählt, sind die stillen Fortschritte: ein Discounter, der Wero wirklich einbindet, Banken, die ihre Apps nachrüsten, und eine europäische Infrastruktur, die sich Stück für Stück zusammensetzt. Ob daraus in zwei weiteren Jahren eine echte PayPal-Alternative wird, entscheidet sich weniger an Pressemitteilungen als an der schlichten Frage, ob man beim Bäcker um die Ecke irgendwann genauso selbstverständlich mit Wero bezahlt wie heute mit der Girocard. Wir werden ein Auge darauf haben!
17.08.2026
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