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KI an der Sprechsäule: McDonald's wagt den zweiten Anlauf im Drive-thru
„Einmal den Burger-Menü-Klassiker, dazu eine große Cola" – und am anderen Ende der Gegensprechanlage antwortet keine Mitarbeiterin, sondern eine künstliche Intelligenz. Was vor ein paar Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, wird in den USA gerade Realität: McDonald's testet dort ein neues KI-System namens ArchIQ, das Bestellungen im Drive-thru komplett eigenständig entgegennimmt.
Eine Million Bestellungen – und (fast) niemand musste eingreifen
Aktuell läuft der Test in fünf Filialen, und die ersten Zahlen können sich durchaus sehen lassen. Über eine Million Bestellungen hat das System bereits abgewickelt. Noch interessanter: In etwa neun von zehn Fällen kommt die Bestellung komplett ohne menschliches Zutun zustande – kein Eingreifen, keine Weiterleitung an das Personal. Der Sprachassistent versteht dabei nicht nur Englisch, sondern nimmt Bestellungen auch auf Spanisch entgegen, was in den USA für viele Kundinnen und Kunden ein echter Mehrwert ist.
Hinter der Technik steckt übrigens kein Unbekannter: ArchIQ wurde gemeinsam mit Google entwickelt und ist Teil einer umfassenderen Modernisierungsstrategie, mit der McDonald's seine Filialen technologisch auf ein neues Level heben will.
Gebranntes Kind? Der erste Versuch ging schief
Wer die Branche etwas länger verfolgt, erinnert sich vielleicht: Es ist nicht das erste Mal, dass McDonald's KI an die Sprechsäule lässt. Ein früheres Pilotprojekt – damals noch mit IBM als Partner – wurde 2024 eingestellt. Der Grund: Die Technik patzte zu oft. Kuriose Fehlbestellungen sorgten für Frust bei den Kunden und für ordentlich Spott in den sozialen Medien.
Genau deshalb ist der aktuelle Anlauf so spannend. Die Erfolgsquote von rund 90 Prozent deutet darauf hin, dass die Technologie in den letzten Jahren einen großen Sprung gemacht hat. Aus Fehlern wurde offenbar gelernt.
Mehr als nur Bestellungen annehmen
Was ArchIQ vom gescheiterten Vorgänger unterscheidet: Das System soll nicht bloß Burger und Pommes in die Kasse tippen. Es ist auch als Werkzeug für die Filialleitung gedacht. Die Idee dahinter: Die KI erkennt Probleme im laufenden Betrieb frühzeitig – bevor sie sich zu echten Engpässen auswachsen. Damit wird aus dem reinen Bestellassistenten ein Stück weit ein Frühwarnsystem für den Restaurantalltag.
Zwischen Effizienz und Unbehagen
So beeindruckend die Zahlen sind – die geplante Ausweitung auf weitere US-Standorte löst nicht nur Begeisterung aus. Zwei Fragen stehen im Raum: Wie verändert sich die Servicequalität, wenn der erste Kontaktpunkt eine Maschine ist? Und was bedeutet das langfristig für die Arbeitsplätze in der Gastronomie?
Beide Diskussionen sind berechtigt und werden uns in den kommenden Jahren begleiten – nicht nur bei Fast-Food-Ketten. Denn was McDonald's im Drive-thru testet, ist letztlich ein Vorgeschmack auf das, was in vielen Branchen ansteht: KI übernimmt repetitive Aufgaben, Menschen konzentrieren sich auf das, was Maschinen (noch) nicht können.
Künstliche Intelligenz und Bratenfett
Der zweite Anlauf von McDonald's zeigt vor allem eines: Sprach-KI ist inzwischen reif genug für den rauen Alltag – mit Hintergrundlärm, Dialekten und Kunden, die mitten im Satz ihre Meinung ändern. Ob das Konzept auch über die Testfilialen hinaus überzeugt, wird sich zeigen. Sicher ist: Die Frage lautet längst nicht mehr, ob KI im Kundenkontakt ankommt, sondern wie wir sie sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen.
Foto: KelvinStuttard
10.06.2026
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