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Armutszeugnis: Wie die Polit-Elite beim Einmaleins der Cybersecurity durchfällt

Warum Julia Klöckner und andere Politiker beim Signal-Phishing versagt habenDie Schlagzeilen lesen sich wie ein Cyber-Thriller aus dem Kalten Krieg: „Bundestagspräsidentin gehackt!“, „Angriff auf die Herzkammer der Demokratie!“, „Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft!“. Man sieht förmlich Kapuzenpullover-tragende Hacker mit Guy-Fawkes-Maske in dunklen Kellern vor grünen Zahlenkolonnen sitzen, während sie mit hochkomplexen Algorithmen die digitale Festung von Julia Klöckner stürmen.

Aber werfen wir doch mal einen Blick hinter den Vorhang der medialen Hysterie. Was wir dort finden, ist kein russisches Super-Rechenzentrum, sondern das digitale Äquivalent zum sprichwörtlichen Enkeltrick. Und wie es sich gehört, hat sich Oma sauber über den Tisch ziehen lassen.

Der „Hack“, der keiner war

Machen wir es kurz für alle, die in Informatik nicht nur ihren Namen tanzen konnten: Es gab keinen Hack. Es gab keine Sicherheitslücke in der Signal-Verschlüsselung. Es gab nur das, was man in Fachkreisen „Layer 8 Problem“ nennt – also ein Problem, das etwa 50 Zentimeter vor dem Bildschirm sitzt.

Während Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) jede freie Minute in die Pflege ihrer digitalen Fassade bei Instagram investiert, scheint so etwas Profanes wie die IT-Sicherheit keine Zeit mehr im Terminkalender zu finden. Ein Schicksal, das sie mit ihren Kollegen teilt: Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Verena Hubertz und Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) haben ebenso den „Digitalen Offenbarungseid“ geleistet. Sie bekamen eine Nachricht von einem vermeintlichen „Signal-Support“, wurden höflich gebeten, ihre PIN auf einer dubiosen Website einzugeben – und sie taten es. Einfach so. Freiwillig.

Ein Bewusstsein für digitale Gefahren scheint bei den Betroffenen ebenso abwesend zu sein, wie ein halbwegs funktionierendes Passwort-Management.

Das ist so, als würde man einem Wildfremden auf der Straße seinen Haustürschlüssel in die Hand drücken, nur weil er eine Warnweste trägt, auf der „Hausmeister“ steht. Dass die echte Signal-App niemals per Chat nach einer PIN fragt, hätte man wissen können. Oder ahnen. Oder kurz googeln. Aber Recherche ist ja eher was für Leute, die keine Diäten beziehen.

Wenn Dummheit zum Staatsgeheimnis wird

Besonders amüsant wird es bei der Ursachenforschung. Wenn Spitzenpolitiker sich digital bis auf die Knochen blamieren, kann es natürlich nicht an mangelnder Medienkompetenz oder schlichter Naivität liegen. Nein, es muss eine „konzertierte Aktion“ sein. Ein staatlicher Akteur!

Sofort wird in den Gazetten geraunt: „Der Russe war's!“ - natürlich, wer sonst. „Regierung sieht Russland hinter Signal-Attacke“ tönt beispielsweise die Bild-Zeitung. Beweise? Pustekuchen. Aber „irgendwas mit Putin“ verkauft sich halt besser als „Julia hat auf den bösen Link geklickt“. Es ist die perfekte Nebelkerze, um davon abzulenken, dass hier Personen, die über die digitale Souveränität unseres Landes entscheiden, am einfachsten Phishing-Versuch gescheitert sind, den jeder Zwölfjährige zwischen zwei Runden Fortnite erkennt.

Die Ironie der Inkompetenz

Man muss sich die Fallhöhe einmal klarmachen: Wir sprechen hier von derselben Personengruppe, die mit schöner Regelmäßigkeit über Social-Media-Verbote schwadroniert, die „Chatkontrolle“ fordert (weil man ja nichts zu verbergen hat) und uns Bürgern ständig etwas über die Gefahren von Desinformation und Cyber-Sicherheit predigt.

Diese Leute wollen das Internet regulieren, können aber offenbar eine offizielle Systemnachricht nicht von einem plumpen Betrugsversuch unterscheiden. Das ist so, als würde jemand die Straßenverkehrsordnung schreiben, der beim Einsteigen in ein Auto versucht, den Zündschlüssel in den Auspuff zu stecken.

Fazit: Nicht unsere Kleinsten brauchen eine Social-Media-Regulierung, sondern unsere selbsternannten und teilweise gewählten Eliten einen Digital-Führerschein! Allerdings prognostiziere ich, dass beim Erwerb drei Viertel die Abschlussprüfung verkacken!

Für Leute, die sich ein klein wenig mit Digitalgedöns auskennen, bleibt einmal mehr nur ein ungläubiges Kopfschütteln - und ein paar kranke, sarkastische Lachanfälle.

Liebe Mandatsträger, bevor ihr das nächste Mal über Algorithmen, Social-Media-Verbote, KI-Regulierung oder Netzsperren abstimmt, hier ein kleiner Tipp von der Basis: Wenn euch jemand im Internet nach eurem Passwort fragt, ist er nicht euer Freund. Auch nicht der Support. Und nein, es ist auch nicht die Rettung des Abendlandes. Es ist schlichtweg ein Test eurer Intelligenz.

Testergebnis in diesem Fall: Nicht bestanden. Setzen, sechs. Und bitte legt das Smartphone weg, bevor ihr noch versehentlich die Bundeswehr bei eBay Kleinanzeigen verkauft!

27.04.2026

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